Ungefähr 150 Besucher zeigten beim Aus Alt mach Neu - A(u)ktionstag in der vergangenen Woche ihr Interesse am Schlosstheater. Informationen über den Fortschritt der Erneuerungsmaßnahmen wurden da ebenso wissbegierig aufgesogen wie ein chronologischer Abriss der Theatergeschichte. Anschauliche Vorträge von Wesko Rohde, dem technischen Leiter des Schlosstheaters, und der Gastrednerin Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums, boten ein harmonisches Gesamtbild für die Zuhörerschar.
Fragen blieben da kaum offen. Dahingegen hörte man dann und wann ein erstauntes Raunen durch die Menge huschen, wenn bisher nicht veröffentlichte Details von der Baustelle „Schlosstheater“ preisgegeben wurden. Über das neue Nutzungskonzept verriet Rohe: „Wir wollen erfahrbar machen, dass wir in einem besonderen Gebäude sind.“ Modernes und Altes soll zukünftig gemeinsam präsentiert werden, so werden z. B. in neu eingezogenen Treppenzügen Einblicke in alte Kamine gewährt oder gar das Rund des alten Borgturms mittels einer besonderen Ausleuchtung betont. Das Innenleben des Theaters ist mit Fertigstellung im Sommer 2012 komplett neu gestaltet, lediglich der Kern des alten Theaters bliebe erhalten. Bei den Bauarbeiten entdeckte man neben den Unterschriften von Handwerkern aus den verschiedensten Jahrzehnten, alte Stromkabel hinter Wandverkleidungen, die dort die letzten hundert Jahre schlummerten. Statisch sei das Gebäude nun abgesichert, die akustischen und klimatischen Bedingungen auf der Höhe der Zeit. Auf die Technik an den Geländern könne zukünftig dank einer neuen Betondecke, an der die Beleuchtungs- und Belüftungstechnik hänge, nun verzichtet werden. Wie bei einer Choreografie fahren diese computergesteuerten Elemente pünktlich zu Vorstellungsbeginn aus der Decke. Bis dahin fällt das Tageslicht durch große Fenster ins Innere – händisch zu schließende Fensterläden lassen den Zuschauer beizeiten in den Theaterraum fahren. Auch in punkto Bühnentechnik ändert sich einiges: Die Bühne beherbergt direkt über dem Zugang des Borgturms eine neue Drehbühne mit einem Durchmesser von vier Metern. Mithilfe von 21 Maschinenzügen und 8 Punktzügen ist es ab Spielzeitbeginn möglich jede Geometrie des Raumes mit Bühnendekoration zu versehen, jeder Quadratzentimeter wird nun genutzt. Die Räumlichkeiten rund um die Bühne sind im Laufe der Zeit auf ein Niveau angehoben worden – diese Etage diente als Orientierung für die Einteilung der anderen Geschosse. Die bereits erwähnten neuen Treppenzüge im Nordwest-Turm bieten neben einem 2. Fluchtweg den Anschluss an sieben Etagen – insgesamt handelt es sich um einen Zugewinn von 325 qm Fläche durch das Einziehen neuer Etagen. 140 Quadratmeter davon konnten u. a. aufgrund der Verlegung der Dramaturgie in andere Räumlichkeiten als Publikums- und Pausenräume gewonnen werden. Das Stuck-Deckenprogramm dieses neuen Wandelgangs wurde frisch restauriert und mit einem Airbrush-Film farbig angeglichen. Neu ist außerdem die zweite Studiobühne, welche eine Erweiterung der kulturellen Infrastruktur darstellt. Diese Veränderungen bedeuten eine komplett neue Logistik. Die Fertigstellung des Theaters erfolgt, so Rohde, von oben nach unten.
Juliane Schmieglitz-Otten ergänzte die Worte des Technischen Leiters, indem sie die Besucher des „Aus Alt mach Neu – A(u)ktionstages“ für die Geschichte des Celler Schlosses sensibilisierte. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich das Schloss von einem Borgturm, der im Jahre 1292 als eine von vielen Burgen begründet wurde, hin zu der Vierflügelanlage, die wir kennen. Der Ausbau zur Residenz im 15. Jahrhundert bewirkte, dass repräsentative Räumen wie die Kapelle oder ein Festsaal (Rittersaal) angelegt wurden. In ihm fand im Jahr 1653 mit „Die triumphierende Liebe“ die Uraufführung eines der ältesten Bühnenstücke Deutschlands statt. Heute ist der spätmittelalterliche Rittersaal der älteste erhaltene Festsaal Norddeutschlands.
Als unter Herzog Georg Wilhelm das Schloss zu einer Vierflügelanlage umgebaut wurde, bekam es nicht nur nach außen ein einheitliches Erscheinungsbild, sondern ein eigenes Theater nach italienischem und französischem Vorbild. Darin flanierte man früher – so berichtet die Leiterin des Residenzmuseums – durch die barocken Paradegemächer ins Theater. Das diente einerseits der fürstlichen Repräsentation, andererseits stellte es den Rang des Hauses dar. In Theatern jener Zeit hatte nur der Fürst den zentralen Blick auf die Bühne, die restlichen Gesellschaftsmitglieder platzierte man gemäß der Adelshierarchie um den Fürsten herum. Da das barocke Theater damals keine Sitzplätze im unteren Bereich hatte – verriet Juliane Schmieglitz-Otten - war man als Teil des höfischen Gesellschaft auch Teil des Theaters. Das Residenzmuseum und das Theater so schloss unsere Gastrednerin ihren Vortrag, haben vieles gemeinsam. Sie teilen sich nicht nur ein Haus – die ältest erhaltene Welfenresidenz – sondern setzen u.a. moderne Mittel bei der Präsentation der Geschichte des Hauses/des Theaters ein. Historische Spuren werden dokumentiert - die Geschichte wird vermittelt und dadurch lebendig. Authentizität spielt dabei eine große Rolle.
Rund um die Vorträge herum rankten sich ein Theatermarkt, bei dem interessierte Besucher dem Theatervorstand, der Dramaturgie und Theaterpädagogik, (Vorstands-)Mitgliedern des Theatervereins und Vertretern des Kammermusikrings in Kaffeehaus- Atmosphäre die eine oder andere Frage stellen konnten. Von insgesamt 89 Versteigerungsobjekten wechselten bei der Silent Auction beinah alle den Besitzer. Ensemblemitglied Hartmut Fischer und die Initiatorin der Veranstaltung, Alexandra Socher (Marketing, Fundraising, Theaterverein – im Schlosstheater Celle) – moderierten gekonnt die Veranstaltung. Der Erlös der Auktion sowie die Eintrittsgelder bescherten unserem Generationenprojekt DOPPELHERZ 2500 Euro Taschengeld. Kuriosität des Tages: ausgerechnet das Objekt, was wir nicht versteigern wollten, ging letzten Endes für das höchste Gebot weg.
Eine Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Theatervereins.
Aus Alt mach Neu – A(u)ktionstag war ein voller Erfolg